Mein Sohn redet viel und gerne, er scheint nach seiner Mutter zu kommen. Oft redet er einfach nur so, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Doch, wenn ich ihn etwas frage, z.B. wie sein Tag in der Kita war, dann schweigt er wie ein Grab. Manchmal könnte ich daran verzweifeln. Habe ich die falsche Frage gestellt? Kam die Frage zur falschen Zeit? War es die richtige Frage zur falschen Zeit oder war es die falsche Frage zur richtigen Zeit? Ich werde es wohl nie herausbekommen. Was ich aber weiß, ist, dass er wenn er nicht über etwas reden möchte, sagt: “Das habe ich vergessen!”

“Wie war es heute in der Kita?”

Auf die Frage wie es heute in der Kita war: “Das habe ich vergessen!” Dieser Tag scheint ein eher ruhiger und wenig ereignisreicher Tag gewesen zu sein. Am nächsten morgen beim Frühstück erzählt er mir dann aber von allein, was er am Vortag alles erlebt hat und ich revidiere meinen Eindruck des ereignislosen Tages. Kinder haben ihren eigenen Zyklus, sie folgen ihren eigenen Instinkten und Gefühlen. Am Nachmittag, wenn ich meinen Sohn von der Kita abhole, ist er oft schon müde, der Tag war lang und das Fußballtraining vom Vortag steckt noch in seinen jungen Knochen. Ich sollte froh sein, dass er den Weg schafft, ohne dass ich ihn tragen muss. Er will dann lieber über Belangloses reden, ohne seine Gedanken und Erinnerungen zu bemühen. Eher Small Talk. Ein Moment, in dem ich meine Bedürfnisse nach hinten stellen muss.

Dennoch ist es wichtig, auch zuzuhören wenn es um Belangloses geht. Für Kinder ist es wichtig zu reden, nur so lernen sie Neues. Wie verhält sich das Gegenüber, was antwortet er auf eine alltägliche Frage, wie funktioniert ein Witz. Mimik und Gestik, Ausdruck und Betonung, selbst die Körpersprache wird teilweise kopiert. Aber oft habe ich das Gefühl, dass es am Ende auch um den sozialen Kontakt geht. Das Zuhören und füreinander da sein. Das Ergattern von Aufmerksamkeit und Zuneigung. Etwas, dass für Kinder von enormer Aufmerksamkeit sein sollte.


5 Kommentare

Zhunami · September 9, 2018 um 19:01

Das ist ein wichtiger Punkt für Kinder und Jugendliche in jeder Altersklasse und etwas, das wir Erwachsenen oft vergessen. Kinder haben ihre eigenen Probleme, und so banal sie uns manchmal erscheinen, für die Kinder sind sie unglaublich wichtig. Lasst sie erzählen und nehmt sie ernst dabei!

Christian Wobst · September 10, 2018 um 9:04

Das kenne ich und auch ich fragte mich oft, habe ich die falsche Frage gestellt. Meistens war die Frage Wie war es heute in der Kita? Ich habe gemerkt, dass mein Sohn (3,5) heute, morgen usw. noch nicht zuordnen kann. Eventuell hat er also diesen Teil der Frage immer nicht verstanden. Ich variiere jetzt meine Fragen (d.h. jeden Tag gibt es eine andere): Wie wars? Was gab es zum Mittag? Was hast Du gemacht? Was hast Du gelernt? Mit wem hast Du gespielt? Dann ergibt sich meist ein Gespräch. Und bitte nicht falsch verstehen: Aber was kann ein Kind Belangloses erzählen? Alles, was das Kind beschäftigt, ist doch wichtig und das sollte uns auch als Eltern wichtig sein. Da muss ich auch meine Ansprüche nicht zurückschrauben. Falls Belangloses freilich bedeutet, dass mein Kind in die Babysprache zurückgefällt, dann bin ich ganz bei Ihnen.

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