Freiheit, so sang schon Westernhagen, ist die Einzige die fehlt. Wenn es damals in meiner Kindheit, noch in der Grundschule, einen Geburtstag zu feiern gab, fragten meine Eltern: “Wie lange bleiben denn die anderen Kinder?”. Sicherlich haben es sich meine Eltern einfach gemacht, aber sie haben mir auch eine gewisse Verantwortung übertragen. Ich ging los, fragte die Anderen, meldete die Zeit meinen Eltern und die Party ging ab. Gut, das war die Zeit von La Boum und Feten waren in. Dennoch machten sich meine Eltern erstmal wenig Sorgen. Wenn ich nach den Hausaufgaben mit dem Fußball unter dem Arm loszog, rief mir meine Mutter noch etwas hinterher: “Bis es dunkel wird!”

Alle die von Freiheit träumen …

Mir war die Freiheit die ich genoss gar nicht bewusst. Es war einfach so. Ich durfte raus und habe gemacht, worauf meine Kumpels und ich Lust hatten. Wir haben in den Sommerferien von morgens um 9 bis abends um 8 auf dem Fußballplatz gestanden und den Hydranten aufgedreht, um die Hitze erträglicher zu machen. Wir haben eine Wasserschlacht gemacht und dann wieder stundenlang Fußball gezockt. Wir brauchten nicht auf die Uhr zu schauen, denn solange es nicht dunkel war, war alles klar. Wenn wir nicht auf dem Platz rumballerten, dann waren wir auf unseren BMX-Rädern im Wald unterwegs, sind in den Flughafensee gesprungen und haben am See gezeltet. Ab und an kam einer der Eltern vorbei, brachte Essen und Trinken, fragte ob alles passt und war wieder weg. Einen Sommer verbrachten wir so komplett am See. 6 Wochen lang.

Wir haben diese Freiheit genossen. Die Freiheit hat uns zu den Menschen gemacht, die wir heute sind. Selbstbewusst und lösungsorientiert. Wir haben improvisiert und aufeinander aufgepasst. Angst kannten wir nicht. Doch wie haben es unsere Eltern ertragen, dass wir solche Freiheiten hatten, ohne Mobiltelefone und Internet. Wir waren nicht erreichbar und keiner wusste, was passiert. Sie vertrauten uns und unseren Freunden. Wir hatten Freiheit, aber zur Freiheit gehört auch immer Verantwortung und Vertrauen. Sie vertrauten darauf, dass wir das Richtige tun, dass wir im Ernstfall Verantwortung übernehmen. Das ist für mich, jetzt Jahrzehnte später, eine der schönsten Erinnerungen an meine Kindheit. Freiheit ist heutzutage die Einzige, die fehlt. Wenn ich mir anschaue, wie Eltern heutzutage erziehen, dann wünsche ich mir und hoffe, dass ich meinen Söhnen auch Freiheit schenken kann. Nur gehört heute als Vater mehr Mut dazu, als damals als Kind im Sommer.


1 Kommentar

Gesellschaftsspiele: Was Kinder beim Spielen alles lernen - Blog-Pirat · Februar 14, 2019 um 8:51

[…] Eltern: Freiheit ist das einzige, was zählt […]

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