Warum habe ich einen erneuten Jobwechsel vollzogen? Weil ich was Anderes machen möchte.

Zum Wechsel von der Grundschule in die Oberschule wurde mir geraten, die mittlere Reife zu machen. Ich sei „unorganisiert“ und „faul“. Zugegeben, meine Ordnung hielt sich in der Grundschule in Grenzen, Hausaufgaben machte ich so gut wie nie. Dennoch habe ich inzwischen nicht nur mein Abitur in der Tasche, sondern eine Ausbildung mit staatlich anerkannter Weiterbildung, sowie einen Bachelor. Einen Master hätte ich bestimmt auch noch geschafft, wollte ich aber nicht. Arbeiten war eher mein Ding. Die Familie versorgen, die ich gegründet hatte. Dafür nahm ich einen Job an, der mich nicht vollkommen erfüllte. Der Arbeitsalltag ist klar strukturiert. Kein Büro, viel mit Menschen. Andere würden sagen: Regale auffüllen. Ich arbeite im Einzelhandel.

Soll ich eine feste Stelle mit gutem Gehalt aufgeben?

Aber du verdienst doch gut? Wozu denn ein Jobwechsel?

Kann man überhaupt mit dem Gehalt zufrieden sein? „In der Industrie verdienst du das doppelte, bei weniger Aufwand.“ „Ich will aber nicht am Band stehen.“ „Ja aber MAN VERDIENT DOCH SO GUT!“ Ist der Verdienst denn wirklich alles? Keine Lust auf die Arbeit und viel Geld oder das Gegenteil. Zugegeben, ich hatte auch oft schlechte Laune. Zum Einen, weil ich meiner Meinung nach nicht genug gefördert wurde, aber – und das finde ich viel wichtiger: weil es mich nicht gefordert hat. Mechanisch bearbeitete ich die Aufgaben. Ich kannte alles. Machte alles. Aufstieg? Fehlanzeige. Auslastung? Körperlich sicherlich, geistig null. Zu behaupten, geistig unterfordert zu sein, grenzt für viele sicherlich an Arroganz. Da dies impliziert, ich halte mich für intelligent. Ja tue ich, aber ich merke, wie meine Intelligenz mit jedem weiteren Arbeitstag schwindet. Ich muss mich nicht weiterbilden in meinem Job. Und ich liebe Bildung. Es muss sich also etwas verändern.

Was kann ich eigentlich?

Es macht mir Spaß, zu lernen. Klar, Grundlagen anlesen ist klasse. Diese dann aber auch anzuwenden, zu vertiefen und wieder zu geben, ist eine höhere Form von Genuss. Da ich vor dem Einzelhandel in einem Franchise-Fitnessstudio arbeitete, fiel das mit dem Marketing schonmal weg. Macht die Zentrale. Finanzen und Überprüfung auch. Gut, blieb nicht allzu viel. Zudem war da zu viel Monat für mein Gehalt. Ich fasste den Entschluss, den ersten Jobwechsel anzutreten. Den Bachelor nahm ich aber mit. Neuanfang bei einem führenden Lebensmitteldiscounter. Meine Frau unterstütze mich dabei, dafür bin ich ihr sehr dankbar. Die Ausbildung lief gut, neue Aufgaben, die ich auch größtenteils im Praktischen einsetzen konnte, aber… Tatsächlich gibt es sogar einen Ablaufplan: wann, was und wie, war zeitlich vorgegeben. Es ist toll, effizient und effektiv zu arbeiten, man kann sich damit viel Zeit einsparen. Diese Zeit möchte ich dann aber nicht „absitzen“, Sondern lieber mit meiner Familie verbringen.

Jobwechsel - Klabautermann

Elternzeit = Besinnungszeit

Ich war Vater geworden. Etwas, das meinen erneuten Jobwechsel in weitere Zukunft verschoben hatte. Dies nahm viel Aufmerksamkeit, Konzentration und vor allem Zeit in Anspruch. Ich wollte meine Frau so gut es ging unterstützen und meinem Kind ein guter Vater sein. Was auch immer das sein mag, oder wie auch immer das gelingt. Eine tolle Möglichkeit ist da die Elternzeit. Variabel kann so der Vater auch längere Zeiträume daheim sein. Ich konnte das. Ich durfte das. Also machte ich das. Insgesamt leider nur 2 Monate, mit meinem Jahresurlaub also 3,5 Monate in einem Jahr. Mein Kind hat seinen Vater gerne und ich glaube, dass sich die Elternzeit für unsere Bindung mehr als ausgezahlt hat. Die Elternzeit bietet auch die Möglichkeit, sich neu zu besinnen – ich habe mich besinnt. Vor allem im Hinblick meines Berufes. Mein Vater war jeden Tag ab 16 Uhr daheim, eine Konstante, mit der ich als Kind gerechnet habe. Es war herrlich. „Das möchte ich meinem Kind auch bieten.“ „Dann mach das.“

Ja, aber…

Ich ließ mir Zeit mit dem Jobwechsel, zugegeben. Das Gehalt war ok, die Kollegen machten die Stupidität der Arbeit erträglich und eigentlich wollten wir erstmal meiner Frau die Möglichkeit geben, sich beruflich neu zu orientieren. Das taten wir auch. Der Vorgang dauerte etwas über ein Lebensjahr meines Kindes. Meine Frau arbeitet jetzt mit Kindern, wollte sie schon immer machen, hatte nur die Geduld für die Ausbildung früher nicht. Sie schrieb mir die erste Bewerbung, als bei ihr alles ein wenig gefestigt war, mit dem neuen Job. Die war gut, top geschrieben, toll formuliert und so gar nicht ICH. Da jetzt aber etwas in Gange gesetzt war und sie mich damit über Wochen immer wieder versuchte zu motivieren, dachte ich mir: „Na gut.

Zugegeben, ein Feedback-Gespräch mit meinem Chef und mein vergangener dreißigster Geburtstag gaben mir zusätzlich die Bestätigung und fehlende Motivation, die Bewerbung zu optimieren. Ich wälzte mich durch Onlinejobportale, schaute mir verschiedene Websites zu interessanten Jobangeboten an, um im Endeffekt eines zu realisieren: Eigentlich steht dir die Welt offen. Du musst es nur zulassen und dich trauen. So gingen zwei Bewerbungen an favorisierte Unternehmen. Ganz schön mager, denkt sich mancher. Ich selektierte im Vorfeld! Ich habe ja einen unbefristeten Job. Wenn es nicht klappt, dann ist das bei zwei Absagen schon zu verkraften. Das war mein Vorteil.

New Job, who this? – Jobwechsel made easy

Die Absage von Unternehmen Nummer 1 kam: Du passt nicht zu uns, tut uns leid. War nicht schlimm. Denn ich hatte bereits bei Unternehmen 2 unterzeichnet. Ebenso wie Unternehmen 1 mir mitteilte, dass ich dort nicht anfangen kann, teilte ich meinem aktuellen Arbeitgeber mit, dass ich nicht mehr dort arbeiten möchte. Ich hatte den Vorteil, dass nichts muss, aber alles kann. Das machte die Vorstellung bei dem neuen Arbeitgeber sehr viel entspannter. Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen, Aufgaben und Projekte, Kollegen/innen und vor allem auf das Lernen. Bereits im Vorfeld habe ich so viele interessante Dinge gelesen, gesehen und gehört, dass mein Hirn wieder auf Hochtouren rotiert – im positiven Sinne. Durch die Berufserfahrung, die ich bereits gewonnen hatte, die persönlichen Entwicklungen, die ich vollzogen hatte, konnte ich diesen Jobwechsel anregen. Wie ich die ersten Wochen erlebt habe, schreibe ich euch demnächst.

Meine Frau, die Piratentochter, Blog-Pirat und -Piratin haben ebenfalls über den Jobwechsel in und um die Elternzeit geschrieben. Schaut doch dort auch mal rein!


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