Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass es da draußen irgendwo eine Tochter gibt? Es ist emotional unheimlich schwer. Insbesondere ab dem Moment, indem ich selber an der Erziehung meiner beiden Söhne beteiligt bin und war. Zu wissen, dass es da noch eine Tochter gibt. Aber vor allem nicht zu wissen, wie es ihr geht oder in den Jahren davor erging, das machte mir sehr zu schaffen. Gerade in den melancholischen Zeiten etwa um Weihnachten herum, oder Anfang Mai zum Geburtstag meiner Tochter. Ständig bohrten sich dieselben Fragen in meinem Kopf ein: Wie geht es ihr, wie war ihre Kindheit, ist sie in sicheren Verhältnissen aufgewachsen?

Die Verantwortung für einen hilflosen Menschen zu haben und ein Kind in den Armen zu halten, es zu ernähren und zu umsorgen, diese zerbrechlichen kleinen Lebewesen. Es ist ein Geschenk. Ein Moment, der mein Leben verändert hat. Für meine Tochter aber nicht da sein zu können und nichts über sie zu wissen, das machte mich sehr traurig. Ich wusste, wann Sie 18 wurde, ich erfuhr vom Jugendamt dass sie eine Ausbildung abgeschlossen hatte. Doch in meinem Kopf sah ich beim Gedanken an meine Tochter nur ein kleines Mädchen. Mein Gehirn spielte mir den Streich, dass es ein glückliches kleines Mädchen war, das da im Kopf ihres leiblichen Vaters unterwegs war. Es ist die Hoffnung auf eine schöne Kindheit, die ich ihr gerne ermöglicht hätte und die sie hoffentlich auch ohne mich gehabt haben würde.

Es klingelt und die Tochter steht vor der Tür? Nur Wunschdenken.

„Ich bin dein Vater!“

Darth Vader

Es ist aber auch die Angst vor diesem Moment: Plötzlich steht da jemand vor der Tür und sagt: „Ich bin deine Tochter!“. Oder noch viel schlimmer, wenn dieser Moment nie kommen würde. Meine Frau wusste schon seit dem Beginn unserer Beziehung, dass ich eine Tochter habe. Wir haben auch oft über meine Tochter gesprochen, doch ging es dabei natürlich mehr um uns und die beiden Söhne, die wir haben. Irgendwann müssen es die Beiden erfahren, irgendwann muss ich mit ihnen drüber reden. Der Zeitpunkt war aber noch nicht reif. Worauf wartete ich? Wahrscheinlich auf den Moment, indem ich merkte, dass meine Tochter nicht nur ein kleines Mädchen in meinem Kopf war, sondern mittlerweile schon eine junge Frau.

Es gab verschiedene Dinge, die sich in meinem Kopf abgespielt haben. Einerseits das kleine Mädchen, das glücklich war. Während ich zu Weihnachten traurig über verpasste Momente und erste Male und Geburtstage nachdachte. Und zum anderen dieser eine Moment, wenn da eine junge Frau vor meiner Tür steht und mir offenbart, dass ich ihr leiblicher Vater bin. Welche Erwartungen hätte ich zu erfüllen? Was würde dieser Moment bringen, was könnte er bringen? Wäre sie wütend auf mich oder neugierig?

Meine Tochter und ich schreiben über die MOMENTE, die uns zusammen geführt haben. Hier ist der Teil 5 meiner Piratentochter und hier folgt ihr Teil 7.


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