Irgendwann setzte ich mir meinen 18. Geburtstag als Datum zur Vatersuche in den Kopf. Ich dachte wahrscheinlich, ich wäre dann ja alt genug. Mit 18 habe ich noch mein ganzes Leben vor mir, aber ich wäre der Herausforderung gewachsen. Das ist doch ein guter Zeitpunkt, oder?
Wie sich herausstellte: Nein, war es nicht!

Inzwischen hatte meine Mama einen neuen Partner gefunden und das war für mich ein sehr guter und wichtiger Moment. Ich kannte den neuen Partner von meiner Mama schon einige Jahre. Und ich fand toll, dass ausgerechnet er jetzt der Neue an der Seite meiner Mama war.
Er war für mich da in der Zeit, in der ich einen Papa gebrauchen konnte.

Und damit war das Thema wieder eine ganze Weile aufgeschoben. Auch wenn einige Fragen nie ganz ignoriert oder verdrängt werden konnten.

Ängste

Es ist ja nicht so, dass man einfach sucht, findet und alles ist gut. Wenn es doch nur so einfach wäre.
Da waren Fragen wie: „Warum sucht er mich nicht?“; „Hat er schon einmal daran gedacht, wer ich heute bin?“; „Was wäre, wenn ich nach ihm suche und ihn nicht finde?“ oder schlimmer „Was ist wenn ich suche, finde, aber er den Kontakt gar nicht will?“ oder „Was ist wenn er meine Erwartungen nicht erfüllt?“

Aber was sind eigentlich meine Erwartungen?

Lebensabschnitte und Zeitpunkt

Es vergingen einige Jahre und auf einmal war ich 18. Mitten in der Ausbildung. Und schnell stellte ich fest: „Jetzt ist wohl kaum der richtige Zeitpunkt, nach meinem Vater zu suchen“. Ich hatte Sorge, dass sich die Suche nach ihm negativ auf meine Ausbildung auswirken könnte. Ich hatte Angst vor der emotionalen ‚Ablenkung‘. Wenn es nicht so gut laufen würde, hätte mich das vermutlich ziemlich aus der Bahn geworfen.
Mein neues Ziel war, „Dann eben nach der Ausbildung“.

Zu meinem Ausbildungsende lernte ich einen tollen Kerl kennen. In kürzester Zeit waren wir Hals über Kopf ineinander verliebt. Daran konnten auch die knapp 700 km nichts ändern, die uns trennten.
Meine Ausbildung war inzwischen abgeschlossen und ich bekam einen Brief. Darin stand der Name meines Vaters. Der Brief informierte mich darüber, dass ich mit meinem Abschluss keinen weiteren Anspruch auf Unterhalt habe.
Alles schön und gut. Grade war ich eh abgelenkt.

Nach etwas weniger als 2 Jahren Fernbeziehung entschloss ich, für die Liebe meines Lebens Berlin den Rücken zu kehren und zog zu ihm. Meine Familie war mir wichtig! Aber diese Chance wollte ich nicht verpassen.

So weit weg von Berlin, verlor ich leider die Idee, nach meinem Vater zu suchen. Auch wenn immer noch klar war, dass ich es irgendwann machen würde. Ich wollte den Moment nicht irgendwann verpasst haben, bei der Suche feststellen, dass es ihn vielleicht nicht mehr gibt. Oder er mir nicht zuvor kommen würde. Aber das war nicht der Fall.
In meinen Gedanken machte ich ihm dafür keine Vorwürfe. Wenn es für mich so viele Momente gab, in denen es mir nicht gepasst hatte, darf es doch bei ihm genau so sein!

Die Familie wächst

Der Mann an der Seite meiner Mama, der Mann der sich so toll um mich gekümmert hatte, als ich einen Papa brauchte, wurde jetzt selbst nochmal richtig Papa. Das machte mich erneut zur großen Schwester. Ein ungewöhnliches Gefühl, eine Schwester zu bekommen, in einer Zeit, wo ich selbst schon hätte Mama werden können. Aber mir machte das überhaupt nichts. Im Gegenteil. Ich fand es toll. Meine kleine Familie wurde größer. Sie bestand jetzt aus meiner Oma, meiner Mama, meinem Bruder und jetzt noch einer Schwester.

Ich machte mir hin und wieder Gedanken, ob da noch weitere Geschwister sein könnten. Ich hoffte es. Und mir war klar, irgendwann würde ich es in Erfahrung bringen.

Wieder verging einige Zeit und ich stand kurz davor, diesen ‚Kerl‘ für den ich Berlin verlassen hatte, zu heiraten. Ich beantragte meine Geburtsurkunde für die Hochzeitsvorbereitungen. Und da war er auf einmal wieder, der Name meines Vaters.
Ich habe mir viele Gedanken gemacht. War jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen? Ich hatte diese Traumvorstellung, ich würde ihn finden und zur Hochzeit einladen. Und ab dann würde auch er Teil meines Lebens sein. Aber seien wir mal ehrlich, das war wieder einmal gar nicht so einfach. Die Angst siegte 🙁

Was, wenn ich jetzt so kurz vor der Hochzeit nach ihm suche, mit dieser Vorstellung im Kopf und alles ganz anders – viel schlimmer – kommen würde. Diesen Schatten wollte ich zu diesem besonderen Lebensereignis auf keinen Fall in Kauf nehmen.

Erwartungen zum Zeitpunkt

Wie ihr oben schon ein bisschen heraus lesen könnt, ging es mir einfach nur darum, zu wissen, wer mein Vater ist. Ich erhoffte mir nichts Weiteres. Es ging mir nicht um Geld oder irgendetwas anderes. Ich wollte diese Situation nie ausnutzen, um daraus für mich einen positiven Nutzen ziehen zu können. Ich wollte dieses Kapitel einfach abgeschlossen haben. Innerlich gab es einfach eine Art Unordnung, die sich auch immer nach außen spiegelte. Das wollte ich nicht länger.

Und bald war es soweit….

Wir schreiben gemeinsam und abwechselnd über die Momente, die dazu geführt haben, dass wir uns kennen. Hier ist der vorhergehende Teil 2 Blog-Pirat und hier der auf diesen Artikel folgende Teil 4.


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